Geschichte

Damals im Ahnatal

Ahnatal heißt nach dem Bach. Die Ahne kommt aus dem Habichtswald, durchquert das Tal und läuft weiter zur Fulda. Der Gemeindename ist von 1972. Die Dörfer sind älter.

Zusammengeschlossen wurden zwei Gemeinden: Weimar und Heckershausen. Kammerberg steht nicht in diesem Gesetz. Das Wohngebiet wuchs zwischen den Kernen — zuerst in den 1960ern, dann nach der Reform.

Was folgt, steht in Urkunden, im Historischen Ortslexikon und auf den Seiten der Gemeinde und der Kirchengemeinden. Wo die Quellen auseinandergehen, steht das da. Was sich nicht belegen ließ, fehlt.

Blick von der Straße Auf der Höhe auf den Ortskern von Ahnatal-Weimar
Weimar von oben: Kirchenschiefer, Dächer, dahinter das Tal. Foto: GeorgDerReisende, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Belegte Daten

Zeitleiste

  1. 1968 / Hallstatt

    Gräberfeld der Späthallstattzeit, 40 Flachgräber, bei Bauarbeiten an der Helfensteinschule in Weimar.

    Quelle: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Weimar

  2. 1097

    Erste Nennung Weimars (Wimare / Wimaro). Das Mainzer Albansstift erhält eine Kapelle.

    Quelle: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Weimar · kirche-ahnatal.de, Kirche Weimar

  3. 1106

    Erste Nennung Heckershausens als Hekereshusun (Hersfelder Überlieferung).

    Quelle: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Heckershausen

  4. 1107

    Kunimund schenkt Besitz unter anderem in Heckershausen der Abtei Hersfeld.

    Quelle: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Heckershausen

  5. 1154

    Erstbeleg des Bachnamens: fluvium Ána.

    Quelle: Wikipedia, Ahne (Fulda)

  6. 1209

    Benediktiner-Propstei in Weimar belegt (Kirchengemeinde). Wikipedia nennt eine Abtei.

    Quelle: kirche-ahnatal.de, Kirche Weimar · Wikipedia, Weimar (Ahnatal)

  7. 1302

    Albansstift verkauft Herrenhof und Patronat in Weimar an das Kloster Ahnaberg.

    Quelle: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Weimar

  8. 1330

    Mühle in Weimar, zinspflichtig an Ahnaberg.

    Quelle: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Weimar

  9. 1357

    Erster Pfarrer in Heckershausen genannt.

    Quelle: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Heckershausen

  10. 1507

    Erweiterung der Weimarer Kirche. Balkeninschrift „Anno Domini 1507“.

    Quelle: kirche-ahnatal.de, Kirche Weimar

  11. 1530 / um 1536

    Erste evangelische Pfarrer: Konrad Bischof in Weimar, Antonius Degenhard in Heckershausen.

    Quelle: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Weimar · LAGIS, Historisches Ortslexikon: Heckershausen

  12. 1585

    Weimar 66 Haushaltungen, Heckershausen 31.

    Quelle: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Weimar · LAGIS, Historisches Ortslexikon: Heckershausen

  13. 1843–1928

    Basaltbruch am Bühl. Industrieller Abbau ab 1896, Bahnabfuhr ab 1897, Ende 1928.

    Quelle: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Weimar · Gemeinde Ahnatal, Geo-Park Der Bühl

  14. 1.9.1897

    Bahnstrecke Volkmarsen–Vellmar/Obervellmar in Betrieb. Bahnhof Weimar, Halt Heckershausen.

    Quelle: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Weimar · LAGIS, Historisches Ortslexikon: Heckershausen

  15. 1891 / 1901

    Dorfbrand Heckershausen (17 Häuser). Ortsbrand Weimar. Flurumlegungen in denselben Jahren.

    Quelle: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Heckershausen · LAGIS, Historisches Ortslexikon: Weimar

  16. 1886 / 1906

    Heckershausen: neues Kirchenschiff. Weimar: neuer Kirchturm.

    Quelle: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Heckershausen · kirche-ahnatal.de, Kirche Weimar

  17. 2.10.1944

    Bombenangriff auf Heckershausen. Mühle Junghans vollständig zerstört, nicht wieder aufgebaut.

    Quelle: Eco Pfad Ahne, Mühlen in Heckershausen

  18. 1962–1974

    Einfamilienhausgebiet am Kammerberg (BBSR). Nach 1972 Wachstum nach Osten.

    Quelle: BBSR, Fallstudie Ahnatal-Kammerberg

  19. 1.8.1972

    Heckershausen und Weimar werden kraft Landesgesetz zur Gemeinde Ahnatal. Verwaltungssitz Weimar.

    Quelle: Landkreis Kassel, Gesetz zur Neugliederung 1972, § 8 · LAGIS, Historisches Ortslexikon: Gemeinde Ahnatal

  20. 15.6.1978

    Wappen und Flagge der Gemeinde genehmigt (silberne Lilie auf Rot).

    Quelle: Wikipedia, Ahnatal

  21. 1981

    Kirchengemeinde Kammerberg mit eigener Pfarrstelle ausgegliedert.

    Quelle: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Weimar

  22. 1992 / 2018

    Naturschutzgebiet Keischel. Ahnatal tritt dem Geopark Grenzwelten bei.

    Quelle: Gemeinde Ahnatal, Landschaftspflegekonzept · Gemeinde Ahnatal, Geo-Park Der Bühl

  23. 7.9.2026

    Erste Stolpersteine in Weimar für die Familien Alexander und Loewenstein.

    Quelle: HNA, Stolpersteine in Ahnatal-Weimar · kirche-ahnatal.de, Stolperstein-Verlegung

Der Bach

Ahne, Ahna, Ahnatal

Die Gemeinde liegt im namensgebenden Bachtal. So steht es im Historischen Ortslexikon: zwischen Kassel im Südosten und den Höhen Stahlberg, Staufenberg und Hangarstein im Norden. Die Verwaltung sitzt in Weimar, Wilhelmsthaler Straße 3, südlich neben der Kirche.

Der Bach selbst ist älter als der Gemeindename. Der Erstbeleg lautet 1154 fluvium Ána. Albrecht Greule führt den Namen auf keltisch-gallisch ana-(m) für „Sumpf“ zurück — ein Hinweis auf die Torfmoore am Oberlauf. Wikipedia nennt diese Etymologie mit Greules Gewässernamenbuch. Andere Herleitungen sind öffentlich nicht belegt.

Unterhalb von Weimar und Heckershausen heißt dasselbe Gewässer in Kassel Ahna. Durch das Tal der Gemeinde bleibt es die Ahne. Der Name der Gemeinde ist eine Wegbeschreibung, kein Marketing.

Furt über die Ahne zwischen Weimar und Heckershausen
Furt über die Ahne zwischen Weimar und Heckershausen. Foto: Feuermond16, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Vor den Urkunden

Gräber unter der Schule

1968 kam bei Bauarbeiten an der Helfensteinschule in Weimar ein Gräberfeld der Späthallstattzeit mit 40 Flachgräbern zutage. Das steht im Ortslexikon, mit Jahr, Ort und Zahl.

Die Gemeinde formuliert weiter: Funde belegten, dass hier bereits im 4. Jahrhundert vor Christus Menschen gelebt haben. Das Ortslexikon nennt die Hallstattgräber, nicht dieses Jahrhundert. Beides kann zusammenhängen — belegt ist die Grabung von 1968.

Am Fuß des Hohlesteins südwestlich von Weimar liegt ein Steinwall, den das Ortslexikon der Ringwallanlage auf dem Hohen Dörnberg zuordnet. Eine Wüstung in der Weimarer Gemarkung heißt Siersen. Der Geschichtsarbeitskreis Weimar schreibt auf der Gemeindeseite, um 1200 sei dort ein kleiner Ort mit Kirche genannt; später zogen die Bewohner nach Weimar. Der Flurname Sierser Kirchhof erinnert daran. Eine eigene Ersterwähnungsurkunde für Siersen liegt in den hier verwendeten Lexikonartikeln nicht ausgeschrieben.

Ortsteil

Weimar — 1097 in den Akten

Die Ersterwähnung ist 1097. Das Ortslexikon gibt die Formen Wimare, in loco und Wimaro, belegt im Mainzer Urkundenbuch. In dem Jahr erhält das Mainzer Albansstift eine Kapelle zu Weimar.

Die Kirchengemeinde nennt dieselben Daten und fügt die Stifter hinzu: Der adlige Herr Dietmar und seine Frau Eila übertrugen Besitzungen zu „Villa Wimare“ dem Kloster St. Alban. Die Form villa setzt das Ortslexikon erst 1146 an (Winmare, in villa). Die Kapelle ist in beiden Überlieferungen 1097 da.

1184 bestätigt Papst Lucius III. dem Kloster den Besitz. 1209 ist nach der Kirchengemeinde eine Benediktiner-Propstei in Weimar belegt, ein kleiner Konvent, der wahrscheinlich nur wenige Jahrzehnte bestand. Wikipedia spricht von einer Benediktinerabtei — das ist die stärkere Formulierung. Die Kirchenseite bleibt bei der Propstei. 1302 verkauft das Albansstift den Herrenhof samt Patronatsrecht an das Kloster Ahnaberg. Ahnaberg wird der größte Grundherr im Ort.

Mit der Reformation fallen die Klosterbesitzungen an die Landgrafschaft. Erster evangelischer Pfarrer: Konrad Bischof, genannt Herr Curt, 1530 bis vor dem 24. Juni 1562. 1585 zählt das Dorf 66 Haushaltungen. 1771 nennt das Ortslexikon 105 steuerpflichtige Häuser — darunter zwölf Leineweber, einen Müller, zwei Schneider, einen Stellmacher, drei Wirte und zehn Tagelöhner.

1901 brannte der Ort. Im selben Jahr wurde die Flur umgelegt. 1970, zwei Jahre vor der Gemeindereform, hatte Weimar 4098 Einwohner. Verwaltungssitz der neuen Gemeinde wurde es trotzdem: der größere der beiden Kerne, die Kirche in der Mitte, das Rathaus daneben.

Evangelische Kirche in Ahnatal-Weimar
Evangelische Kirche Weimar. Der heutige Turm von 1906, die Kapelle von 1097. Foto: Feuermond16, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Ortsteil

Heckershausen — 1106 Hekereshusun

Die Ersterwähnung ist 1106: Hekereshusun, in der Hersfelder Überlieferung. Ein Jahr später, 1107, schenkt der Edelfreie Kunimund Besitz unter anderem in Heckershausen der Abtei Hersfeld. Weitere Formen: Heggereshusun (1107), Hekkereshusun (1146), Heckershausen fest 1585.

Ein erster Pfarrer — ein Pleban — wird 1357 genannt. Das Kirchenpatronat lag später bei den von Löwenstein, 1585 uneingeschränkt bei den Landgrafen. Erster evangelischer Pfarrer: Antonius Degenhard, um 1536 bis 1546, zuvor Mönch im Kloster Eppenberg, 1526 noch als katholischer Pfarrer genannt.

1585 hat das Dorf 31 Haushaltungen, 1747 vierzig. 1885 leben 561 Menschen hier, alle evangelisch. 1970 sind es 2092. Heckershausen lag an der früheren Holländischen Poststraße, die Frankfurt und Leipzig über Kassel mit den niederländischen Binnenhäfen verband.

1891 brannte das Dorf. Siebzehn Häuser gingen verloren. Im selben Jahr wurde die Flur umgelegt. 2006 feierte Heckershausen 900 Jahre — Festwoche vom 19. Mai bis 6. Juni.

Blick ins Ahnetal nach Heckershausen
Von Weimar nach Osten: das Tal der Ahne und Heckershausen unter dem Stahlberg. Foto: GeorgDerReisende, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Bauten

Zwei Kirchen, zwei Zeiten

Die Weimarer Kirche beginnt als capella von 1097. Sie wird in spätromanischer Zeit zum einschiffigen Langhaus. Um 1507 kommt eine Erweiterung: zwei weitere spätgotische Gewölbe im Osten, seitlicher Anbau, das Südportal. Auf einem Holzbalken im Eingang steht „Anno Domini 1507“. Den heutigen, 32 Meter hohen Turm setzt die Gemeinde 1906 aus den Steinen eines baufälligen Vorgängers. Die alten Bronzeglocken musste sie 1918 als Kriegsmetall abgeben. 1920 kamen Stahlgussglocken, 2017 neue Bronzeglocken der Gießerei Bachert.

In Heckershausen bleibt der Chorturm aus dem 15. Jahrhundert. Die Turmhaube datiert das Ortslexikon auf 1775, das Kirchenschiff auf 1886 — gotisierender Neubau an der Stelle eines Vorgängers, Entwurf Baurat A. Schuchardt. Die Kirchengemeinde nennt eine Glocke von 1510, die noch läutet, und einen Taufstein, der ins 13. Jahrhundert zurückdatiert sein soll. Das Schiff besteht aus Basalttuff.

Ein Herrenhaus im Sinne eines erhaltenen Rittersitzes ist in den hier benutzten Quellen nicht beschrieben. Belegt ist der Herrenhof des Albansstifts in Weimar, 1302 an Ahnaberg verkauft. Was davon baulich übrig ist, steht in diesen Artikeln nicht.

Das Backhaus an der Ecke Bachstraße/Königsfahrt in Weimar ist historisch, aber nicht am Ort gewachsen. Die HNA schreibt: In den 1980ern holte Bürgermeister Karl-Heinz Poetzsch ein über 170 Jahre altes Backhaus aus einem Ortsteil von Morschen, ließ es mit Ahnataler Fachwerk ergänzen und 1985 wieder anheizen. Die Gemeinde führt es heute unter Historisches Ahnatal. Die Alte Schmiede in Heckershausen steht auf derselben Gemeindeliste.

Chorturm der Evangelischen Kirche Heckershausen
Chorturm Heckershausen, im Kern 15. Jahrhundert. Das Schiff von 1886 steht daneben. Foto: keichwa, Wikimedia Commons, CC BY 1.0

Arbeit

Mühlen an der Ahne, Basalt am Bühl

Eine dem Kloster Ahnaberg zinspflichtige Mühle in Weimar ist 1330 urkundlich. 1771 gibt es dort eine Mühle mit oberschlägigem Mahlwerk — zu wenig Wasser, deshalb wird auch auswärts gemahlen.

In Heckershausen nennt das Ortslexikon Obermühle und Dorfmühle, beide mit Ahnewasser. Die Brückenmühle steckt in einem Erbschaftsprozess von 1616 bis 1620. Nach Bränden 1851 und 1892 steht der heutige Bau. 1964 endet der Betrieb, die Gräben werden verfüllt. Heute ist dort ein Reittherapiezentrum.

Die Mühle Junghans — auch Alte Dorfmühle oder Kirchmühle — lag im Ortskern. Erste Pächter 1581. Am 2. Oktober 1944 zerstört ein Bombenangriff auf Heckershausen das Gebäude vollständig. Es wird nicht wieder aufgebaut. So der Eco Pfad Ahne, der die Mühlengeschichte an Tafeln entlang des Bachs erzählt.

Am Bühl bei Weimar beginnt 1843 der Basaltbruch, ab 1896 industriell, ab 1897 mit Bahnabfuhr. 1928 endet der Abbau. Um 1900 machen Funde von gediegenem Eisen den Steinbruch in der Mineralogie bekannt. Die Gemeinde schreibt: Neben dem Bühl komme Eisen in elementarer Form sonst nur noch auf der Insel Disko in Westgrönland vor. Seit Dezember 2018 gehört Ahnatal zum Geopark Grenzwelten. Der See im ehemaligen Bruch ist das, was vom Betrieb übrig blieb.

Fachwerkhaus Oberstraße 20 in Ahnatal-Weimar
Oberstraße 20 in Weimar — Fachwerk, das die Denkmalliste kennt. Foto: GeorgDerReisende, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Anschluss

Die Strecke von 1897

Am 1. September 1897 geht die Eisenbahnlinie Volkmarsen–Vellmar/Obervellmar in Betrieb. Weimar bekommt einen Bahnhof, Heckershausen einen Haltepunkt. Beides steht im Ortslexikon.

Am Rand von Heckershausen überfängt eine dreibogige Sandsteinbrücke die Firnskuppenstraße. Die hessische Denkmalpflege datiert sie auf 1890 bis 1897, Trasse Kassel–Wolfhagen. Im späteren 20. Jahrhundert kam eine Brüstung aus Ortbeton oben drauf. Die Brücke ist Kulturdenkmal, weil sie die Anbindung nach Kassel und Wolfhagen zeigt — nicht weil sie schön sein muss.

Dreibogige Eisenbahnbrücke aus Sandsteinquadern in Heckershausen
Eisenbahnbrücke Heckershausen, Sandstein, drei Bögen, 1890–1897. Foto: keichwa, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

20. Jahrhundert

Krieg, Glocken, Namen auf der Straße

Für den Ersten Weltkrieg ist in Weimar die Glockenabgabe von 1918 belegt. Eine Dorfchronik der Front oder der Heimkehrer steht in den hier benutzten Artikeln nicht.

Für den Zweiten Weltkrieg ist der 2. Oktober 1944 fest: Bomben auf Heckershausen, die Junghans-Mühle weg. Weitere Zerstörungen, Opferzahlen, Einquartierungen — das Eco-Pfad-Blatt und das Ortslexikon listen sie nicht. Deshalb stehen sie hier nicht.

Dass jüdische Familien in Weimar lebten, ist durch die Stolpersteinverlegung vom 7. September 2026 öffentlich. Die HNA und die Kirchengemeinde nennen Hugo und Viola Alexander mit den Kindern Hertha und Helmuth, Wilhelmsthaler Straße 2, und Irmgard und Bernhard Loewenstein, Ecke 6. Hugo wird in Auschwitz ermordet, Viola in Bergen-Belsen. Helmuth überlebt die Lager und stirbt kurz nach der Befreiung. Hertha überlebt und geht in die USA. Bernhard und Irmgard emigrieren nach Südafrika. Die Steine liegen jetzt im Pflaster. Die Akten lagen schon länger da.

Bahnhof Ahnatal-Weimar
Bahnhof Ahnatal-Weimar an der Strecke von 1897. Foto: GeorgDerReisende, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

1. August 1972

Zwei Gemeinden, ein Name

Das Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Hofgeismar, Kassel und Wolfhagen vom 11. Juli 1972, § 8: Die Gemeinden Heckershausen und Weimar werden zu einer Gemeinde mit dem Namen Ahnatal zusammengeschlossen. Inkrafttreten: 1. August 1972. Kein drittes Dorf, kein Vertragstext mit Kammerberg.

Das Ortslexikon und das Statistische Bundesamt (Historisches Gemeindeverzeichnis, S. 401) sagen dasselbe. Sitz der Verwaltung: Weimar. 1970 hatten beide Dörfer zusammen 6190 Einwohner.

Erster Amtsinhaber nach der Reform ist 1972/73 Georg Siebenberg als Staatsbeauftragter, zuvor Bürgermeister von Heckershausen. Von 1973 bis 1997 folgt Karl-Heinz Poetzsch (SPD), danach Regina Heldmann (SPD), Michael Aufenanger (CDU), seit 1. April 2021 Stephan Hänes (SPD). Das Wappen — silberne Lilie auf Rot, gestaltet von Heinz Ritt — genehmigt das Innenministerium am 15. Juni 1978, zusammen mit der Flagge.

Wohngebiet

Kammerberg wächst dazwischen

Kammerberg war keine dritte Gemeinde in der Gebietsreform. Wikipedia nennt es ein Wohngebiet, das nach 1972 zwischen Weimar und Heckershausen entstanden sei. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung datiert den Beginn früher: suburbaner Wohnstandort ab den 1960ern, Einfamilienhäuser von 1962 bis 1974, Wachstum nach Osten bis in die 1990er. Heute liegt etwa ein Drittel in Weimar, zwei Drittel in Heckershausen.

Das Ortslexikon führt Kammerberg als Siedlungsplatz der Weimarer Gemarkung. 1981 wird das Gebiet kirchlich ausgegliedert: eigene Kirchengemeinde mit Pfarrstelle. Gottesdienstort ist das ökumenische Kirchenzentrum an der Berliner Straße 40–42, die Heilig-Geist-Kirche. Ein Baujahr des Kirchenraums steht in den hier benutzten Seiten nicht.

Wer Kammerberg sucht, findet also kein mittelalterliches Dorf und keine Ersterwähnung im Sinne von 1097 oder 1106. Er findet Straßen, die nach der Stadt nebenan gebaut wurden, und eine Gemeinde, die dazwischen zusammengewachsen ist.

Seit der Reform

Wohngemeinde am Rand von Kassel

Die Gemeinde beschreibt sich selbst als Wohngemeinde im Umland Kassels, am Rand des Naturparks Habichtswald, zwischen Dörnberg und Stahlberg. 1973 werden Keischel und Mittelberg Landschaftsschutzgebiet, 1992 rund 19 Hektar davon Naturschutzgebiet Keischel.

Zur Vorbereitung der 900-Jahr-Feiern entstehen die Geschichtsarbeitskreise: 1993 Weimar („Geschichte und Geschichten“), 1995 Heckershausen („Spurensicherung“). Sie sammeln, restaurieren, stellen aus. Das Amt für Kultur, Jugend und Senioren betreut die Arbeit.

Auf der Bahnstrecke von 1897 fährt heute die RegioTram. Halt in Weimar, Heckershausen und an der Casselbreite. Der Bühl ist See und Geopark-Punkt. Die Namen auf den Stolpersteinen sind neu im Pflaster, nicht neu in den Akten.

Lücken

Was offen bleibt

  • Ein Baujahr der Heilig-Geist-Kirche am Kammerberg steht in den hier benutzten Seiten nicht.
  • Opferzahlen und das Ausmaß des Luftangriffs vom 2. Oktober 1944 jenseits der zerstörten Mühle sind in Ortslexikon und Eco-Pfad nicht beziffert.
  • Die Gemeinde datiert frühe Besiedlung ins 4. Jahrhundert vor Christus. Das Ortslexikon nennt die Hallstattgräber von 1968, nicht dieses Jahrhundert.
  • Wikipedia nennt für 1209 eine Benediktinerabtei in Weimar, die Kirchengemeinde eine Propstei. Wir folgen der engeren Kirchenseite und markieren den Unterschied.
  • Schloss Wilhelmsthal liegt in Calden, nicht in Ahnatal. Es gehört in keine Ortsliste dieser Gemeinde.
  • Ein erhaltener Rittersitz oder ein benanntes Gutshaus in Weimar oder Heckershausen ist in LAGIS und Denkmallisten der hier gelesenen Seiten nicht beschrieben.

Zum Schluss

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Familienbücher, Vereinschroniken, Fotos mit freier Lizenz: schreibt uns, wenn etwas fehlt oder falsch sitzt. Hinweise über Beitrag vorschlagen. Die Redaktion erreicht ihr unter redaktion@mein-ahnatal.de.